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Fischotter Monitoring

Monitoring als Grundlage für nachhaltige Schutzmaßnahmen

Aufgrund der positiven Entwicklung der Fischottervorkommen in den östlichen Gebieten Schleswig-Holsteins Ende der 1990er Jahre führte Wasser Otter Mensch e.V. (WOM) hier bereits  2000 eine Störstellenkartierungen und Verbreitungserhebung durch. Seit 2002 erfolgte dann ein jährliches Verbreitungsmonitoring in dieser Region.

Da sich der Fischotter auch von Dänemark aus nach Schleswig-Holstein ausbreitete, entwickelte WOM gemeinsam mit dem Natur- und Umweltschutzzentrum Hohner See (NUZ) das Projekt „Schlüsselgebiete Otter in Schleswig-Holstein fördern und verbinden (Sofuv)" und veranlasste in Zusammenarbeit mit dem NUZ ein landesweites Fischottermonitoring zur Dokumentation der Wanderbewegungen des Fischotters.

Im Rahmen dieses Monitoring wurden die aktuellen Verbreitungsgebiete und Wanderkorridore des Fischotters erfasst und die Gebietserweiterungen und Ausbreitungstendenzen dokumentiert. Aus den Ergebnissen werden Schutzmaßnahmen abgeleitet, mit dem Ziel, eine Wiederbesiedlung der Feuchtgebiete Eider-Treene-Sorge und der Seenplatte der Holsteinischen Schweiz langfristig sicherzustellen.

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Fischotter Monitoringergebnisse Schleswig-Holstein 2006 und 2008

Im Jahr 2009 führte das Wildtierkataster (WTK) im Auftrag des Umweltministeriums eine landesweite Kartierung des Fischotters nach der sogenannten ISOS-Methode (Informations-Service Otter-Spuren) durch.

Es folgten weitere Verbreitungserhebungen auf Initiative des WOM in den Jahren 2010 bis 2012, die das Land mit Mitteln aus dem Artenhilfsprogramm unterstützte. Die Nachweise des Fischotters nahmen weiterhin zu.

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Fischotter Monitoringergebnisse Schleswig-Holstein 2010 und 2012

2016 koordinierte dann WOM die landesweite ISOS-Kartierung. Das Ergebnis ist erfreulich: Der Fischotter hat sich weiter ausgebreitet. Vor allem entlang einer Süd-Nord- und einer Ost-West-Wanderroute erschließt sich die Art  ihren Lebensraum über fast das gesamte Land. Nach 30 Jahren ist der Otter erstmals wieder in Dithmarschen nachgewiesen worden. Zum allerersten Mal wurden auch nachweisbar Spuren auf Fehmarn entdeckt. >>> zum ISOS-Bericht 2016

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Fischotter Monitoringergebnisse Schleswig-Holstein 2016

Otterbestände unterliegen in der Ausbreitungsphase jedoch starken Populationsschwankungen und oft hängt es von Einzeltieren ab, ob sich ein Bestand in einer Region etablieren kann oder nicht. Es ist auch möglich, dass die Ausdehnung nur auf einen größeren Lebensraumbedarf infolge intensiver Landnutzung zurückzuführen ist. Das bedeutet, dass es trotz der derzeit guten Entwicklung der Ottervorkommen wieder zu einem Rückgang kommen kann. Aus diesem Grund ist auch weiterhin ein regelmäßiges Monitoring der Verbreitungsgebiete und Wanderkorridore notwendig.

Untersuchungsmethode

Im Rahmen des Monitoring wurden 40 Suchpunkte im Osten Schleswig-Holsteins, 52 Punkte zwischen Hamburg und Flensburg sowie 27 Punkte im Raum Hamburg, Itzehoe, Heide und Husum, insgesamt 119 Punkte untersucht. Pro 10 km² (UTM-Raster) wurde ein Suchpunkt festgelegt. Dazu wurden vor Ort mehrere, als geeignet erscheinende Punkte im UTM-Raster geprüft und der Punkt mit der höchsten Nachweiswahrscheinlichkeit als Suchpunkt ausgewählt. Als Suchpunkte eignen sich besonders Brücken mit Uferstreifen. Regengeschützt kann hier der Otterkot bis zu zwei Monate überdauern. Häufig wird die Markierung an exponierten Stellen, auf Steinen, Erdhaufen oder Wurzelanläufen abgesetzt, damit sie schnell von Artgenossen entdeckt werden kann. Die festgelegten Suchpunkte wurden auf einer Länge von mind. 600 m (statistisch gesicherter Wert der Nachweiserbringung) in den Monaten Februar bis April untersucht, da diese Zeit erfahrungsgemäß besonders gut zur Nachweiserbringung geeignet ist.

fischotter_kothaufenDie Erfassung von Otternachweisen ist schwierig, denn das Markierungsverhalten des Fischotters ist weitgehend ungeklärt. Es wir unterstellt, dass der Otter überall dort markiert, wo er vorkommt. Doch dies trifft nicht immer zu. So kann es an großen gleichförmig begradigten Flüssen oder an kleinen Verbindungsbächen und Gräben dazu kommen, dass er die Gebiete zwar nutzt, was Spuren im Schnee belegen, er diese Gebiete jedoch nicht durch Otterkot kennzeichnet. Außerdem ist ungeklärt, ob der Otter am Rande seines Verbreitungsgebietes überhaupt markiert. Ein weiteres Problem kann sich ergeben, wenn der Otter aufgrund von Witterungseinflüssen andere Gebiete nutzt. Dies zeigt sich besonders während lang anhaltender Frostperioden, wenn die Otter aus den zugefrorenen Seen in die Fließgewässer wechseln. Zudem kann die Losung des Otters bisweilen nicht eindeutig zugeordnet und mit der Losung des weit verbreiteten Minks verwechselt werden.

fischotter_trittspuren Hinweise auf mögliche Ottervorkommen wie Fraß- und Spielplatz, Rutsche, Otterpass, Unterschlupf oder Bau gelten nicht als Nachweise. Sie sind erst von Bedeutung, wenn in der Nähe (max. 10 km) ein eindeutiger Nachweis erbracht werden kann. Als eindeutige Nachweise gelten Trittsiegel, bei denen alle fünf Zehen abgedrückt sind und das Bild eindeutig dem Fischotter zugeordnet werden kann, wie auch Otterkot der ebenso eindeutig zuzuordnen ist.

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